Die Schattenseiten des Lichts

Kunstlicht hat einige Schattenseiten, und wer hier fleißig mitliest, der kennt die meisten. Wie aber fühlt es sich an, wenn man um die gesundheitsschädigende Wirkung nicht nur weiß, sondern sie direkt und am eigenen Leib erfahren kann?

Wir haben bei Maximilian Blaschke nachgefragt.

Herr Blaschke, Sie sind Interessenvertreter für Betroffene von Lichtflimmern und überdosiertem 
BLAU-Anteil bei Leuchtmitteln und Bildschirmen. 
Über die negativen Konsequenzen des überhöhten Blauanteils wissen unsere regelmäßigen Leser 
schon einiges, und die meisten schützen sich wo es möglich ist. Das Flimmern dagegen ist ein 
Problem, für das es keine naheliegende Lösung gibt.
Könnten Sie unseren Lesern schildern, wie Sie von diesem Flimmern betroffen sind, 
welche Symptome es auslöst und auf welche Leuchtmittel sie besonders reagieren?

Ich bin darüber besorgt, am gesellschaftlichen Leben zunehmend nicht mehr uneingeschränkt teilnehmen zu können. Denn mein Nystagmus bewirkt, dass ich die Bewegungen von elektrischem Licht mitverfolgen kann. So ist das stroboskopartige Flimmern vieler LED-Bildschirme und LED-Lampen sowie das Flackern und Aufblitzen von Leuchtstoffröhren und „Energiesparlampen“ für mich deutlich wahrnehmbar. Es beeinträchtigt nicht nur mein Wohlgefühl, sondern verursacht beinahe unmittelbar Übelkeit, Schwindel, Orientierungslosigkeit sowie starke Schmerzen in Augen und Kopf, denen bei einer Flimmer-Überdosis Fieber folgt. Dann wird die Welt um mich herum schwarz

Sobald das Sonnenlicht nicht mehr ausreicht, jenes diskontinuierliche Licht von LED- und Leuchtstofflampen aufzufüllen, muss ich dringend eine sichere Umgebung aufsuchen, in der ich mich auch ohne Sehen zurecht finde – das nicht nur nachts. Ein normales Leben zu führen, ist mir so nicht möglich.
Beim Verlassen meiner Wohnung trage ich immer einen Notfallkoffer mit Glühbirnen bei mir. Bevor ich zu einer Verabredung gehe, erkundige ich mich nach den dortigen Lichtverhältnissen und Lampenfassungen. Für den sicheren Hin- und Rückweg bin ich jedoch – vor allem in der dunklen Jahreszeit – zumeist auf eine Begleitperson angewiesen.

Mit meinem Sehen bereitet es mir auch große Mühe, mich als Fußgänger oder Radfahrer an Straßen zurecht zu finden, geschweige denn, mich ungehindert am Straßenverkehr zu beteiligen. Besonders zappelig sind LED-Tagfahrlichter. Doch auch die angezeigte Schrift auf Zug, Bahn und Bus zu lesen und somit zu erkennen, um welche Linie es sich handelt oder wohin sie unterwegs ist, bereitet mir Probleme. Ebenso ergeht es mir mit den Haltestellenanzeigen. Denn auch hier hindern mich meist flimmernde Leuchtmittel am Erkennen. Überdies breiten sich allerorten LED-betriebene, flimmernde Straßenlaternen und Ampeln aus, was bei barrierefreien Bauvorhaben bisher keine Berücksichtigung findet. Digitale Werbeanzeigen behindern selbst bei Tage meine Wege.
Um mich vor einer Sehüberlastung zu bewahren, bleibt mir daher bisher nichts anderes übrig, als öffentliche Orte, Veranstaltungen, Gebäude und Straßen zu meiden:

Vielleicht sind Ihnen ja auch schon Unterschiede zwischen Leuchtmitteln aufgefallen? Vielleicht haben Sie bei sich bereits wiederkehrende Einschränkungen bemerkt, sobald Sie sich in einem bestimmten Raum oder vor einem Bildschirm aufhalten? Vielleicht ist Ihnen dabei sogar das Flimmern aufgefallen, das von Kunstlicht oftmals ausgeht?

Selbst dann, wenn wir das Lichtflimmern nicht bewusst wahrnehmen, hat es dennoch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Wahrnehmungsverarbeitung und die Stressachse.
Eine erhöhte Empfindlichkeit besteht insbesondere bei Augenbewegungserkrankungen, Autismus sowie Epilepsie-Neigung. Aber auch Migräne, Depression und Angsterkrankungen können durch Lichtflimmern begünstigt oder bestehende Symptome verschlimmert werden.

Sie haben in Buntstiftzeichnungen festgehalten, wie Sie bestimmte Leuchtmittel wahrnehmen, 
könnten Sie die einzelnen Bilder kurz erklären?

Die Bilder hatte ich am 30. November 2017 in der Zeit von 7:00 bis 8:00 Uhr für eine Baubiologin angefertigt. 

Bild 1: Glühlampe

Das erste Bild zeigt eine 40 Watt Glühbirne, wie ich sie sehe. Mit schönen Farbübergängen, 
umschlossen von hellem Rot. 7:00 Uhr wirkten ihr Glühfaden und das ausgesandte Licht weiß, 
8:00 Uhr hingegen gelb. Grund hierfür war die zwischenzeitlich aufgehende Sonne. 
Da ich die Farben nicht in gleicher Anordnung wie bei einem Regenbogen wahrnahm, 
nehme ich an, dass es sich bei einigen auch um die Komplementärfarbe handeln könnte.  

Bild 2: Halogenlampe

Im zweiten Bild leuchtet eine, mit der Glühbirne aus 
Bild 1 vergleichbare, 28 Watt starke Halogenlampe. 
Der sie umgebende Regenbogen ist jedoch wesentlich 
gedrängter und farbärmer als jener der Glühbirne.

Bild 3: Leuchtstofflampen

In Bild drei skizzierte ich eine typische
Leuchtstoffröhre ohne Abdeckung. 
Das Licht gelangt zuerst zögerlich, 
dann wie durch ein Sieb tropfend, 
punktweise am Boden an.

Bild 4: LED Lichtschlauch


Zwischenzeitlich gibt es wiederholend ein Aufblitzen 
in der Röhre zu beobachten.

Mein Favorit ist ganz klar der LED-Lichtschlauch aus Bild vier. 
Es hat einiger Anläufe bedurft, bevor ich überhaupt erkannte, dass dieses grelle, 
hektische, flächige Gebilde auf einem Balkon tatsächlich ein Lichtschlauch ist. 
Bis zu dieser Erkenntnis hielt ich es für eine große, beleuchtete Platte mit technischem Defekt. 
Wenn ich unmittelbar davor zu stehen komme, sehe ich das, was ich im Bild skizziert habe: 
flimmerbuntes Diskolicht ohne Rhythmusgefühl.     


Licht ist also nicht gleich Licht. Aber in Zukunft haben wir möglicherweise nicht mehr die große 
Auswahl an Leuchtmitteln, wie wir sie heute haben…
Sie sind aktiver Unterstützer der Petition „Wahlfreiheit für gesundes Licht“, 
die bereits von fast 10.000 Menschen unterschrieben wurde.
Wenn Sie in einem einzigen Satz erklären müssten, warum unsere Leser diese Petition 
unterschreiben sollen, (und mit welchem einzelnen Satz sie dann wiederum
in Ihrem Umfeld Leute überzeugen können, die Petition zu unterschreiben) 
wie würden Sie argumentieren?

Achten Sie genau darauf, welches Licht Sie in Ihre Augen lassen.

Das ist also die Kurzfassung. 
Wenn Sie allerdings die Zeit hätten, einen der Entscheidungsträger persönlich zu überzeugen, 
was würden Sie diesem Politiker sagen wollen?

Wenn ich Ihnen anvertrauen würde, dass wir bereits über eine Beleuchtungstechnologie verfügen, 
die alle momentan bei LED-Lampen bestehenden Bedenken hinsichtlich Lichtflimmern, 
zellschädigendem Blauanteil, starker elektrischer und magnetischer Wechselfelder, 
des beständigen Ultraschalls, schwachen Röntgenstrahlen ähnelnder Bremsstrahlung sowie 
dem Verlust der Leuchtkraft, der Anfälligkeit der Vorschaltelektronik und weiterhin dem Einsatz 
Seltener Erden, einer unzureichenden Rohstoffrückgewinnung, der atommüllgleichen Zwischenlagerung 
von Problemstoffen oder dem Eintrag von organischen Verbindungen in Gewässer, Luft und Boden 
auszuräumen im Stande ist, würden Sie mich dann darin unterstützen, diese Beleuchtungstechnologie 
ins öffentliche Bewusstsein zu tragen?

Das Leuchtmittel, auf das ich zu sprechen kommen möchte, ist wie ein kleines Feuer im Glas. Ein Kohlefaden aus Bambus oder ein Metalldraht wird so hoch erhitzt, bis er glüht und ein warmes, gleichmäßiges Licht abstrahlt. Ganz ähnlich dem der Abendsonne.

Auch unter weiteren Gesichtspunkten ist dieses Leuchtmittel klar zu bevorzugen. So lässt es sich mit wenigen, unbedenklichen Rohstoffen einfach, umweltverträglich, kostengünstig und mit geringem Energieaufwand überall produzieren, verantwortungsvoll entsorgen und sogar wiederverwerten. Es bietet ein aus medizinischer Sicht unauffälliges, über mehrere Generationen erprobtes und vor Allem bewährtes Kunstlicht. Bei diesem Leuchtmittel handelt es sich folglich um ein technisch ausgereiftes Produkt.

Sie ahnen vielleicht bereits, worauf ich hinaus möchte? …

Der einzige Kritikpunkt an diesem Leuchtmittel wäre der etwas höhere Strombedarf während des Betriebs. 
Dafür kann die abgestrahlte Wärme einem Einfrieren von Wasserleitungen und Ampelanlagen 
entgegenwirken. Auch wäre diese Wärme gerade in Zeiten, da in unseren Breiten Heizperiode und erhöhter 
Kunstlichtbedarf zusammen liefen, besonders nützlich. 
Als Betriebswirt darf ich es zudem nicht versäumen zu erwähnen, 
dass allein der Verbrauch von Betriebsstrom noch keinen aussagefähigen 
Anhaltspunkt für den Gesamtenergie-Aufwand eines Leuchtmittels liefert. Somit scheint mir die derzeitige 
Einteilung in Effizienzklassen nur unter Beachtung aller Prozess-Schritte und Aktivitäten wirklich sinnvoll. 
Eine Lebenszyklus-Analyse trägt hier sicher zur Nachvollziehbarkeit meiner Argumentation bei.

Sind Sie bereit, mich in meinem Anliegen zu unterstützen, gesundes Kunstlicht salonfähig zu machen? 
Ich empfehle hierzu eine Bezeichnung, wie sie bis vor 30 Jahren hierzulande gebräuchlich war: 
„Langlebensdauerglühlampe“. 


Welche Chance hat diese Petition, die europäische Gesetzgebung zu beeinflussen? 
Beziehungsweise, inwieweit ist das Verbot der Halogenlampe durch die EU-Ökodesignrichtlinie 
schon festgelegt?
Müsste über die gesamte Richtlinie neu entschieden werden, oder gibt es Möglichkeiten in der 
Umsetzung flexibel zu agieren?

Vorrangig sehe ich in der Petition „Wahlfreiheit für gesundes Licht“, die bisher in 9 EU-Sprachen erschienen ist, das 
Potential Mitmenschen zu erreichen. Hierzu zähle ich selbstverständlich auch Experten und Politiker.
Gesetze und Richtlinien sind gemäß ihrer Bestimmung für Menschen gemacht – nicht gegen sie. 
Folglich ist eine Anpassung der momentanen Regelungen unumgänglich. 
Ich verstehe die Petition als Impuls, den eigenen Lichtkonsum kritisch zu hinterfragen und sich 
entsprechend eigener Möglichkeiten selbst aktiv in die Lösungsfindung einzubringen. 
Hingegen stehe ich einem Verbot von Bewährtem und einer im Gegenzug allen Mitgliedsstaaten 
zwangsverordneten, unausgereiften Technologie kritisch gegenüber. 

Was können unsere Leser noch tun, außer die Petition zu unterzeichnen und weiter zu teilen?

Indem wir unseren Mitmenschen gegenüber unsere Bedürfnisse mitteilen, können wir viel für uns bewirken. Solange wir aus Scham oder der Angst, unangenehm aufzufallen oder aus einer Leistungserwartung heraus verschweigen, was wir brauchen und was uns guttut, stehen wir uns selbst, wie auch einer Lösung im Wege. Die Politik kann nur auf Interessen eingehen, die ihr bekannt sind. Also rate ich Betroffenen, sich in Selbsthilfegruppen zusammen zu finden, sich mit ihrem Hausarzt, dem Neurologen, Optiker, Augenarzt oder Sehtrainer, dem Arbeitgeber, Kollegen oder Lehrer über das Problem zu verständigen, die Krankenkasse einzubeziehen und sich an das örtliche Gesundheitsamt zu wenden. Bittet um Hilfe.

Vielen Dank für das Interview!

Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, auf das Thema Lichtflimmern aufmerksam machen zu können.

Kurzbiografie Maximilian Blaschke

Das Licht der Welt erblickte Maximilian Blaschke 1985 in Gera. Seine Liebe zum Kulinarischen führte ihn als Koch auf eine kreative Sinnes-Reise. Ausgleichend sind ihm als Betriebswirt für das Hotel- und Gaststättengewerbe wirtschaftliches Denken und Handeln vertraut. Über das Gesundheitsamt Leipzig hat er eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, um ein Forum zu schaffen, in dem sich Betroffene, Interessierte und Unterstützer lösungsorientiert miteinander zur Frage nach gesundem Kunstlicht austauschen können. Das Thema LICHTGESUNDHEIT beleuchtet er in kurzen Aufsätzen und bei seinen Vorträgen auf humorvolle Weise.

Hier gibt es weitere Informationen zum Thema Lichtflimmern u.v.m. von der Selbsthilfegruppe Lichtgesundheit:

Das Auge isst mit! Lichtgesundheit im Alltag

By | 2018-11-12T17:57:49+00:00 Oktober 9th, 2018|Allgemein|0 Comments

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