Eine kurze Geschichte der Sonnenbrille

Am 27. Juni war der internationale Tag der Sonnenbrille. Ein guter Zeitpunkt, um die Geschichte des Augen-Sonnenschutzes und die aktuelle Wissenschaft zu betrachten.

 

Inuit Schneebrille aus Karibu-Horn mit zwei schmalen Sehschlitzen, um den Lichteinfall zu minimieren.

Inuit Schneebrille aus Karibu-Horn mit zwei schmalen Sehschlitzen, um den Lichteinfall zu minimieren.

Blendschutz seit Jahrtausenden

Schon in prähistorischer Zeit wussten sich die Menschen gegen übermäßigen Lichteinfall zu schützen. Gerade in der arktischen Schneewüste war ein Augenschutz überlebensnotwendig, daher stammen auch die ältesten Funde von „Sonnenbrillen“ aus der Inuit-Kultur.

Doch auch im südlichen Europa konnte starke Sonne immer schon unangenehm blenden. So ist zum Beispiel von Kaiser Nero überliefert, dass er seine Augen beim Betrachten von Wagenrennen im sonnigen Kolosseum durch geschliffene Smaragde schützte.

Frühe Neuzeit

Der französische Chemiker Antoine Lavoisier bei der Durchführung eines Experimentes mit gebündelten Sonnenstrahlen. Der Wissenschaftler trägt eine Sonnenbrille.

Der französische Chemiker Antoine Lavoisier bei der Durchführung eines Experimentes mit gebündelten Sonnenstrahlen.

Der englische Optiker und Hersteller von wissenschaftlichen Instrumenten James Ayscough war Mitte des 18. Jahrhunderts einer der ersten, die mit gefärbten Linsen experimentierten, wobei es ihm nicht um den Sonnenschutz ging. Er war vielmehr überzeugt, dass blau oder grün gefärbte Gläser bestimmte Sehfehler korrigieren könnten.

Eine der ältesten überlieferten Abbildungen eines Sonnenbrillenträgers stammt aus dem Jahr 1772 und zeigt den französischen Chemiker Antoine Lavoisier bei der Durchführung eines Experimentes mit gebündelten Sonnenstrahlen.

Licht ist mehr als nur Helligkeit

Ursprünglich ging es also in erster Linie darum, die Helligkeit der am Auge ankommenden Strahlung zu verringern. Über die Zusammensetzung von Licht und die unterschiedlichen Wirkungen verschiedener Wellenlängen war lange nichts bekannt.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die potentielle Gefahr von UV-Strahlen erstmals erwähnt, vom französische Arzt Jean-Marie-Théodore Fieuzal (1836–1888), der gelbe Gläser zum Schutz empfahl. Ein Nachweis der schädlichen Wirkung von UV-Licht gelang dem Schweizer Alfred Vogt im Jahr 1908.

Mittlerweile ist weithin bekannt, dass das unsichtbare UV-Licht das Auge langfristig schädigen kann, und auch die kurzwellige sichtbare Strahlung im Blaubereich mit Vorsicht zu genießen ist.

Der Europäische Standard EN 1836:2005 spricht von vollständigem UV-Schutz bei Sonnenbrillen, wenn in einem Bereich bis 380nm eine maximale Transmission von 5% vorliegt. Medizinisch empfohlen und international verbreiteter ist jedoch der weitergehende Schutz bis 400nm. Hierzulande ist dieser Schutz, den übrigens alle Brillen von Innovative Eyewear aufweisen, durch die Kennzeichnung UV400 zu erkennen.

Die Sonnenbrille wird zum Modeartikel

Baseball Spieler Casey Stengel, trägt eine Sonnenbrille. Altes schwarz-weiß Foto aus dem Jahr 1915

Baseball Spieler Casey Stengel, 1915

In den frühen 1920er Jahren erfreuten sich Sonnenbrillen zunehmender Beliebtheit, vor allem unter Hollywood Stars und Sportlern. Waren sie zunächst dafür gedacht, die Augen am Strand vor übermäßiger Strahlung zu schützen, wurden sie mehr und mehr zum Fashion- und Lifestyleprodukt, das in den Städten und sogar in Innenräumen sein Zuhause fand.

Seit den späten 20er Jahren konnten die Brillen günstig als Massenprodukt mit Gläsern aus Celluloid hergestellt werden, Mitte der 30er Jahre kamen die ersten polarisierten Gläser auf den Markt. Inzwischen gilt die Sonnenbrille als unverzichtbares Modeaccessoire, und ist ein äußerst lukrativer Markt mit ständig wechselnden Trends. Verspiegelte, farbige, irisierende und polarisierte Gläser in Fassungen aus den verschiedensten Materialien sind überall erhältlich, mit Preisen zwischen wenigen Euros und einem halben Vermögen.

Die Augen sinnvoll schützen

In dieser Vielfalt kann man leicht den Überblick verlieren, zumal oft garnicht genau zu erkennen ist, wie gut eine Brille schützt. Die Stärke des UV-Filters kann man der Brille nicht ansehen, denn UV-Licht ist nicht sichtbar. Aber hier ist die UV400 Kennzeichnung hilfreich.

Wieviel Blaulicht die Brille ausfiltert, wird in den seltensten Fällen angegeben. Es gibt ja nicht einmal einen einheitlichen Standard für einen Spektralbereich, der als Blaulicht gilt. Allerdings kann man hier schon wieder eher dem eigenen Auge vertrauen. Erscheint die Welt durch die Brille gelb/orange, so liegt das am fehlenden (also ausgefilterten) Blau.

Die oft angegebenen Kategorien (von 0-4) geben an, welchen Anteil des sichtbaren Lichtes eine Sonnenbrille ausfiltert, wie hell oder dunkel sie also ist. Wer nach dem Motto „viel hilft viel“ aber direkt zur dunkelsten Brille greift, tut sich nicht unbedingt einen Gefallen. Diese starken Tönungen sind für Extremsituationen gedacht, und machen auf einem Gletscher sicher Sinn, zumindest solange auch ein guter Schutz vor Streulicht gegeben ist.

Da nämlich dunkle Gläser automatisch dazu führen, dass sich die Pupille erweitert, kann das Streulicht, das seitlich an der Brille vorbeikommt besonders große Schäden anrichten.

Insgesamt ist natürliches, ungefiltertes Tageslicht in Maßen auch gesund für die Augen, und kann bei Kindern sogar Kurzsichtigkeit vorbeugen. Darüber hinaus ist das Licht, das in unserem Augenhintergrund ankommt, der Taktgeber für unsere innere Uhr. Das heißt, zu wenig Licht in den Augen kann Einfluss auf viele Körperfunktionen haben, nicht zuletzt auf die Stimmung.

Wenn schon Sonnenbrille, dann richtig

Was macht also Sinn? Augen brauchen besonderen Schutz bei Extrembedingungen wie Gletscher, Schnee und Sonne, oder am Wasser. (Wasser reflektiert einen großen Teil der UV- Strahlung)

Sonnenbrillen sollten auf alle Fälle einen UV400 Schutz aufweisen, und darüber hinaus möglichst in Blaubereich filtern (gelb oder orange getönt). Die Brille sollte so hell sein, wie es unter den Umständen Sinn macht, und einen möglichst guten Schutz vor Streulicht bieten.

Und last but not least: Ja, eine Sonnenbrille ist cool. Aber einen sonnigen Tag in seiner ganzen Strahlkraft zu erleben ist auch nicht zu verachten.

 

 

Quellen:

Bilder: Wikimedia commons

Fascinating facts about the invention of sunglasses

History of sunglasses

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By | 2018-11-07T19:03:37+00:00 Juli 3rd, 2018|Allgemein|0 Comments

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