Farbtemperatur 2017-07-16T09:22:29+00:00

Farbtemperatur

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Artikel:

Glühlampenlicht und Gesundheit

Ein medizinisches Plädoyer für gesundes Licht von Alexander Wunsch, Heidelberg.
Den ganzen Artikel finden Sie hier: Glühlampenlicht und Gesundheit
 

Die Glühlampe macht ein warmes, gemütliches Licht – »das kann die Energiesparlampe doch auch!« So lautet die Aussage derer, die sich in diesen Tagen für die Abschaffung der Glühlampe stark machen. Kompaktleuchtstoff-Lampen gibt es schließlich in verschiedenen Lichtfarben – wem also das Standardmodell ein zu kühles Licht erzeugt, dem bietet sich die Warmton-Variante an.

Doch vergleicht man die Spektren der Glühlampe und der Warmton-Energiesparlampe, erkennt man sofort, dass hier ein gewaltiger Unterschied besteht. Nach der Theorie der Internationalen Beleuchtungskommission sollte das menschliche Auge zwar nicht in der Lage sein, diesen Unterschied wahrzunehmen – jedoch grau ist alle Theorie, oftmals gar fernab der Wirklichkeit. Numerisch haben beide Lichtquellen die gleiche Farbtemperatur, nämlich 2700 Kelvin, wo liegt also das Problem?

Es fängt damit an, dass es zwei unterschiedliche Arten gibt, die Farbtemperatur zu messen: Entweder so, wie es in der Physik üblich ist, in Form einer kontinuierlichen Messung über den gesamten interessierenden Spektralbereich, oder aber so, wie es in der Lichttechnik seit 1931 üblich ist, in Form einer Dreibereichsmessung, der Festlegung des Normbetrachters folgend. Dieser Normbetrachter hat laut Definition bei drei Wellenlängen die höchste Empfindlichkeit für Farbensehen, und zwar bei 700 nm für Rot, 546,1 nm für Grün und 435,8 nm für Blau. Die beiden letzten Wellenlängen sind hierbei auf zwei Spektrallinien von Quecksilber einjustiert, womit man eigentlich sagen kann, dass der Normbetrachter zu 66 Prozent auf Quecksilber geeicht ist.

Alles in allem kann man sehen, dass das auf dem Normbetrachter beruhende System nach CIE1931 sehr viele Vereinfachungen und Eingeständnisse in sich birgt. Es verwundert daher nicht, wenn es sich aus medizinisch-biologischer Sicht nicht dazu eignet, Lichtquellen so zu beschreiben, dass die physiologischen Reaktionen und Wahrnehmungen vollumfänglich damit erfasst werden können.

Solange jemandem klar ist, dass die Angabe einer Farbtemperatur auf der Verpackung einer Leuchtstofflampe nichts über die biologische Qualität des damit erzeugten Lichtes aussagt, gibt es auch kein Problem. Sobald aber die korrelierte Farbtemperatur dazu verwendet wird, jemandem zu erklären, die Spektren einer Glühlampe und einer Sparlampe mit Warmton seien vergleichbar, beginnt die Irreführung, weil praktisch Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Der Gipfel der Irreführung wird dann erreicht, wenn Quecksilberlicht als gesundes »Bio-Licht« vermarktet wird.