Leuchtdichte Monitore

 
Beim Thema Blaulichtschädigung durch Computermonitore wird oft die fehlende Lichtintensität der Monitore als Argument gegen eine potentielle Schädlichkeit angeführt. Der Arzt und Lichtbiologe Alexander Wunsch klärt in diesem Text einige der häufigsten Missverständnisse auf:
 

Bisher wurde von Augenärzten eine Schädigung der Netzhaut des Auges (Photoretinitis) nur bei Menschen ohne Augenlinse durch Einwirkung von Tageslicht beschrieben.

In diesem Punkt wird man zukünftig wahrscheinlich zwischen akuter und chronischer Photoretinitis unterscheiden müssen. Während die Schäden bei einer akuten Photoretinitis innerhalb weniger Stunden erkennbar werden, dauert es bei einer chronischen Photoretinitis mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, bis die Schäden diagnostizierbar werden. Eine Untersuchung der französischen Gesundheitsbehörde ANSES geht davon aus, dass die Summe an Blaulicht, die während des Lebens auf die Netzhaut trifft, mit einer Erkrankungswahrscheinlichkeit für AMD korreliert ist. Es wird daher empfohlen, Weißlicht-LED nicht dort einzusetzen, wo sich Kinder aufhalten, da diese noch über eine sehr transparente Augenlinse verfügen. Die Wissenschaftler gehen hier von einer summatorischen Wirkung blauer Lichtanteile aus, so dass eine Begrenzung als potentielle Präventionsmaßnahme für eine altersbedingte Makuladegeneration begriffen wird.

Bei natürlichen oder künstlichen Augenlinsen sind keine Schädigungen der Netzhaut durch Tageslicht beschrieben.

Diese Aussage ist so nicht zutreffend, da zum Beispiel bei Implantation farbloser künstlicher Augenlinsen ein verstärktes Auftreten von AMD beobachtet wurde. Allerdings handelt es sich hier wieder um einen chronischen, nicht um einen akuten Prozess.

Die Leuchtdichte von TFT- und LED-Monitoren liegt um 10er Potenzen unterhalb der Leuchtdichte von Tageslicht.

Die Leuchtdichte von Bildschirmen ist in der Tat deutlich geringer als diejenige von Tageslicht. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass nicht nur die absolute Lichtintensität in die Betrachtung einfließen darf, sondern auch die Spektralverteilung des Lichtes eine wichtige Rolle spielt. Zudem wird bei einer reinen Betrachtung von Intensitäten ignoriert, dass die Konzentration von Sehpigment in der Netzhaut von der Umgebungshelligkeit abhängt. Die extreme Anpassungsfähigkeit des Auges an unterschiedliche Leuchtdichten resultiert nicht nur aus der Tätigkeit der Pupille, sondern in 1. Linie aus der chemischen Adaptation. Bei Dunkelheit findet sich eine vielfach höhere Konzentration von Sehpigmenten in den Fotorezeptoren. Damit wird die „Angriffsfläche“ für photochemische Schädigungen vergrößert. Da unter natürlichen Bedingungen nur im hellen Tageslicht hohe Blauanteile vorhanden sind, treffen diese somit auf niedrig konzentrierte Fotopigmente. Wenn Kunstlicht, dass immer wesentlich niedrigere Intensitäten aufweist, hohe Anteile an blauem Licht enthält, trifft dieses auf eine höhere Konzentration von Fotopigmenten. Da diese Fotopigmente als photochemische Sensibilisatoren fungieren, ist eine photochemische Schädigung auch bei niedrigen Lichtintensitäten prinzipiell möglich.

Bei viel millionenfacher Anwendung von Flachbild-Monitoren ist keine Schädigung der Netzhaut durch das Licht der Monitore bekannt.

Chronische Schädigungen der Netzhaut entwickeln sich nicht innerhalb weniger Jahre. TFT- und LED-Monitore sind noch nicht lange genug in Verwendung, um hier eine Unbedenklichkeit zu attestieren, zumal die Inzidenz der altersbedingten Makuladegeneration seit der Einführung nicht-thermischer Lichtquellen wie zum Beispiel Leuchtstofflampen, Energiesparlampen,  sowie TFT Bildschirmen kontinuierlich zunimmt. Das zunehmende Alter der Bevölkerung kann hier nicht als alleiniges Argument dienen, besonders dann nicht, wenn das Eintrittsalter für eine AMD abnimmt. Für eine Risikobewertung ist darüber hinaus zu beachten, dass immer mehr nicht-thermische Lichtquellen verwendet werden. Die bisher geübte Praxis der Risikobewertung von Lichtquellen, z.B. durch ICNIRP oder CIE, einen Achtstundentag zu Grunde zu legen, muss überdacht werden, da viele Personen nicht nur bis zu 8 h während der Arbeit in einen Bildschirm blicken, sondern auch zuhause beim Fernsehen oder auch durch die Allgemeinbeleuchtung mit Lichtquellen konfrontiert sind, die einen erhöhten Blauanteil aufweisen. Hier ist anzumerken, dass künstliche Lichtquellen wie zum Beispiel Energiesparlampen oder Weißlicht-LED in demjenigen Spektralbereich besonders aktiv sind, der für den so genannten Blue Light Hazard respektive die Photoretinitis hauptverantwortlich ist.