Was Licht kann

Die Jahreszeiten zeigen uns, wie sehr wir das Tageslicht brauchen. Licht hebt die Stimmung. Zu wenig Licht macht schlapp. Im Winter bekommen wir nur einen Bruchteil der Lichtmenge, die wir im Sommer haben. Zudem verbringen wir die dunkle Jahreszeit überwiegend in künstlich beleuchteten Räumen. Darum ist die hohe Qualität dieses Kunstlichts umso wichtiger.

Schon länger forschen Lichtbiologen, Psychologen, Ärzte und Lichtdesigner, wie Kunstlicht auf den Menschen wirkt. Nicht nur die Sehzellen in unseren Augen reagieren auf Lichtreize. Es gibt auch ein Pigment in unserem Sehorgan, dass auf Licht im blauen Spektrum reagiert: Melanopsin – ein Protein in der Netzhaut unseres Auges. Über Melanopsin-haltige Zellen in unserem Auge, einer Gruppe besonderer, nicht-visueller Ganglienzellen, wird unserem Gehirn mitgeteilt ob draußen Tag ist oder Nacht.

Licht macht wach!

Für die Netzhaut unseres Auges sind elektromagnetische Wellen sichtbar, die eine Wellenlänge zwischen 380 nm und 780 nm haben (nm = Nanometer, ein Millionstel Millimeter). Dazwischen finden wir alle Farben des Lichtspektrums. Wellenlängen die sich knapp unterhalb des sichtbaren Spektrums befinden, gehören zum Ultraviolett (UV). Oberhalb des Spektrums beginnt das Infrarot-Licht (IR) – die Wärmestrahlung.

Die Stärke des Lichts wird gemessen in Lux (der lateinische Name für Licht). Je nachdem, welche Wellenlängen wir in welcher Menge abbekommen, schwankt unsere Stimmung. Wenn die Sommersonne im vollen Lichtspektrum strahlt, mit fast 100.000 Lux, hellt sie unsere Stimmung auf. Die trüben 3.500 Lux in den Wintermonaten drücken unsere Stimmung. Besonders mickrig ist die Lichtmenge, wenn wir uns bei Kunstlicht in geschlossenen Gebäuden aufhalten. Umso wichtiger ist darum die hohe Qualität künstlicher Lichtquellen.

Zwar bemühen sich Hersteller von Leuchtmitteln, qualitativ hochwertige Produkte auf den Markt zu bringen. Oft ist aber der Maßstab allein der Energieverbrauch und weniger die Qualität des Lichts.

Wie wird Lichtqualität bestimmt?

Wenn wir an einem sonnigen Tag draußen sind, bekommt unser Körper weißes Licht, Infrarot und Ultraviolett. Das Licht eines leuchtenden Körpers erscheint unserem Auge weiß, wenn alle Farben seines Lichtspektrums ausgewogen sind. Die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, wird in unserem Körper durch blaues Licht gesteuert. Das hat die Natur ganz praktisch eingerichtet. In der Evolution hat sich der Menschen mit dem Tageslicht entwickelt. Denn als wir noch die längste Zeit des Tages unter blauem Himmel verbrachten (mit Jagen und Sammeln), wurde am Tag in unserem Organismus, die Ausschüttung von Melatonin unterdrückt. Wenn man also den ganzen Tag draußen ist, ist der Melatoninspiegel im Blut niedrig. Erst in der Dämmerung beginnt sich die Konzentration des Schlafhormons im Blut zu erhöhen. Dann werden wir müde.

Was Kunstlicht mit uns macht

Denken Sie jetzt an die gängige Beleuchtung in Schulen, Bibliotheken, in Büros oder Krankenhäusern. Dort finden Sie eins immer noch am meisten: Leuchtstofflampen – entweder als Röhren oder Kompaktleuchtstofflampen, die sogenannten »Energiesparlampen«. Auch heute noch ist Helligkeit das einzige Qualitätsmerkmal der Innenbeleuchtung. Hinzu kam in den letzten Jahren das Energiesparen. Das war das Ende der guten alten Glühlampe. Doch das Licht der Glühlampe ähnelte dem natürlichen Licht der Sonne am meisten.

Sonnenlicht erreicht die Erdoberfläche als ausgeglichenes Farbspektrum. Sein Lichtmaximum befindet sich im blau-grünen Bereich, bei einer Wellenlänge von etwa 500 nm, das unsere Augen, wegen der starken Helligkeit der Sonne, als weiß-gelblich empfinden.

Verglichen mit dem Sonnenlicht hat das Spektrum von Leuchtstoff- und LED-Lampen, einen deutlich höheren Anteil Blau.. Und es ist eben dieser Blauanteil der sich massiv auswirkt auf die innere Uhr der Wach- und Ruhephasen unseres Körpers (Circadianer Zyklus). Der Blauanteil des Lichts unserer Umwelt ist in der Mitte des Tages wichtig, für unsere Wachheit. Da viele von uns an Bildschirmen arbeiten (Flatscreen, Tablet, iPad), deren Licht einen vergleichsweise hohen Blauanteil besitzt, sollten wir bei der Arbeit in den Abendstunden eine Bildschirmbrille tragen, damit unsere innere Uhr nicht aus dem Gleichgewicht kommt.

Helles Kunstlicht

Wir brauchen einen klar vorgegebenen Rhythmus aus genügend Licht am Morgen und entsprechend abends Dunkelheit – sonst kommt unser Schlafrhythmus durcheinander. Wer nicht gut schläft, fühlt sich immer müde und ist schnell entnervt. Zum Anderen ist eine ausreichend helle Tagesbeleuchtung in Büros, Schulen und Universitäten wichtig. Man weiß heute, dass Lernende bei optimaler Helligkeit konzentrierter sind, denn eine ausreichende Lichtdosis aktiviert Körper, Stimmung und Geist.

Jede Körperzelle hat ihren eigenen Stundenrhythmus. Ein Zehntel unserer Gene sind zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten aktiv. Darum sind Konzepte für optimale Beleuchtung relevant. Das gilt besonders für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, denn Körperzellen teilen sich zu ganz bestimmten Tageszeiten, an denen sich unser Körper regeneriert. Auch sonst ist eine angenehme Beleuchtung ein ganz fühlbarer Mehrwert für Menschen, die sich über längere Zeit in geschlossenen Räumen aufhalten. Besonders helle Beleuchtung am Tag hilft Patienten und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen, nachts besser zu schlafen. Doch das heißt überhaupt nicht, das die Beleuchtung mit blauem Licht überdosiert sein darf! Der hohe Blauanteil ist ja besonders bei Leuchtstofflampen (Gasentladungslampen) und LED-Flachbildschirmen ein Problem; insbesondere die Nutzung solchen Lichts in den Abendstunden rüttelt uns auf – die Folge: wir schlafen nicht gut.

Raumbeleuchtungen und die Büroarbeit an Bildschirmen sollten also geplant sein. Leuchtmittel in Büros sollten das natürliche Tageslicht nachahmen und kompensieren. Das Licht stellt sich dann auf die Nutzerbedürfnisse und ihren Lichtbedarf automatisch ein. Durch sogenannte »Smart-Lighting-Technologie« stellt sich die Raumbeleuchtung von selbst so ein, dass man sich in perfekten Sehbedingungen wohl fühlt. Die frühen Morgenstunden könnten einen höheren Anteil an bläulichem Licht enthalten. Im Verlauf des Tages wird das Licht dann wärmer.

Büroangestellte könnten bei längerer Bildschirmarbeit, ab späteren Tageszeiten, diesen »Wärmeeffekt« durch das Aufsetzen einer Bildschirmbrille ergänzen.

Sonnenlicht ist gesund

Der Mensch fühlt sich wohl, wenn natürliche Lichtbedingungen vorherrschen wie bei schönem Wetter: d. h. blauer Himmel und Sonnenstrahlen – eine Lichtmischung also aus einem bläulich kühlendem Himmel und einer weiß-gelblich, warm anmutenden Sonne. Durch solche Beleuchtungskonzepte verändert sich der Eindruck eines Büros ganz gravierend. Das Büro bleibt damit nicht mehr ein Ort, den man ungern besucht, sondern lädt sogar ein, sich dort länger aufzuhalten.

Das Licht der Sonne liefert die volle Bandbreite des Farbspektrums, wie ja der Regenbogen beweist. In den letzten Jahren geriet das Licht der Sonne leider etwas in Verruf. Wegen der minderdicken Ozonschicht haben sich unsere Befürchtungen vermehrt in Bezug auf »schädliche«, unsichtbare UV-Strahlung des Sonnenlichts. Ob diese Einstellung aber gerechtfertigt ist? Eher stimmt die bekannte Aussage: »Die Dosis macht das Gift«. Jeder weiß: Wer zu lange in der Sonne liegt, holt sich einen Sonnenbrand. Wenn man sein Sonnenbad aber gut dosiert – und zwar ohne Sonnenschutz – erhöht man Wohlbefinden und Gesundheit. Die Sonne sorgt für die Bildung von Vitamin D im Körper, das zelluläre Vorgänge ebenso steuert wie es auch unser Skeletts stabilisiert. Vitamin D wirkt sich außerdem schützend auf unser Immunsystem aus. Optimal ist ein Vitamin-D-Blutspiegel von ca. 50 ng/ml (ng = Nanogramm, 1 milliardstel Gramm). Genügend Zeit an der frischen Luft und in der Sonne trägt dazu bei, Vitamin D im Körper zu bilden.

Unsere Lebensweise hat aber dazu geführt, dass 90 % der Bevölkerung an einem Vitamin-D-Mangel leiden. Auch im Sommer meiden die meisten Menschen direkte Sonneneinstrahlung, aus Angst vor der »gefährlichen Sonne«. Unter freiem Himmel wird die Haut darum sofort mit Sonnencreme bedeckt. Doch ist es ja genau das Sonnenlicht, das die Haut erreichen soll, damit es, unabhängig vom Hauttyp, Vitamin D im Körper bilden kann.

Hierzu muss man wissen, dass die Wellenlängen des UV-Anteils im Sonnenlicht sich aus der sogenannten UV-A-Strahlung (380 – 315 nm) und UV-B-Strahlung zusammensetzt (315 – 280 nm). Für die Bildung von Vitamin D ist nun wichtig, wie viel UV-B die Haut berührt. Dieser Anteil ist in den Strahlen der Sommersonne nur von ca. 11 bis 15 Uhr enthalten. Denn bei niedrigerem Sonnenstand wird UV-B von der Atmosphäre absorbiert.

Wenn die Haut ohne Sonnencreme beschienen wird, erhöht sich der Vitamin-D-Spiegel im Blut. Um aber Sonnenbrand und Hautkrebsrisiko zu vermindern, sollte eine zu lange, direkte Sonneneinstrahlung unbedingt vermieden werden. 10 bis 15 Minuten reichen vollkommen aus, um bis zu 20.000 Einheiten Vitamin D im Körper zu bilden. Es ist natürlich auch möglich, Vitamin D in Tablettenform zu sich zu nehmen. Wer seinen Vitamin-D-Spiegel aber auf natürliche Weise regeln will, der sollte dem Tageslicht immer den Vorzug geben.

Licht scheint allzu alltäglich, als dass wir von Natur aus wüssten, ob es Faktoren gibt, die für uns günstig oder ungünstig sind. Wie man in diesem Artikel aber sehen konnte, ist Licht eben nicht immer Licht – d. h. auch Licht hat eine Qualität – je höher sie ist, desto angenehmer wird sie von unseren höchst sensiblen Wahrnehmungsorganen (Augen, Haut) empfunden.

Foto: https://pixabay.com/de/users/Riedelmeier-130476/

 

By | 2017-07-16T09:22:30+00:00 Dezember 5th, 2016|Allgemein, Licht allgemein|0 Comments

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