Für alle die sich für Licht interessieren, und die dem Glühlampenverbot kritisch gegenüberstehen, hat das Jahr 2016 vielversprechend angefangen. Eine Veröffentlichung in der wissenschftlichen  Fachzeitschrift „Nature Nanotechnology“ hat zu so enthusiastischen Überschriften wie „Die Wiederauferstehung der Glühbirne“ geführt. Forschern am Massachusets Institute of Technology (MIT) ist es gelungen die Lichtausbeute einer Glühlampe drastisch zu erhöhen.

Die Idee dahinter liest sich simpel und elegant: Der Glühfaden wird im Experiment durch ein Glühblech aus Wolfram, dem klassischen Glühfadenmaterial ersetzt. Dieses wird von Materialien umgeben, die als Resultat einer vielschichtigen Nanobeschichtung vor allem das sichtbare Licht passieren lassen, und die Wärmestrahlung auf das Wolframblech zurückwerfen, dessen Glühen dadurch weiter verstärkt wird.

Die Lichtausbeute von 40%, die in der Berichterstattung über diese Technik gerne zitiert wird, und die sowohl Energiesparlampen als auch LEDs weit in den Schatten stellen könnte, ist übrigens experimetell noch nicht erreicht worden, sondern nur als mögliche Maximalausbeute berechnet worden. Der für die Untersuchung hergestellte experimentelle Prototyp konnte allerdings schon eine Lichtausbeute erbringen, die der von Energiesparlampen und LED nahe kommt.

Können wir also demnächst mit gutem und gesundem Licht rechnen, das ausserdem noch Energiesparpotential mitbringt? So gerne wir das hätten, bleiben doch noch einige große Fragezeichen:

-Das Spektrum: Ziel der Forscher ist es, eine Glühbirne zu entwickeln, die ausschließlich im sichtbaren Spektrum Licht abstrahlt. Damit würde die komplette Infrarotstrahlung eleminiert, die zwar nicht zum Sehvorgang beiträgt, aber immens wichtig für die Regeneration der Augen ist. Sollte diese Idealvorstellung verwirklicht werden, hätte man, ähnlich wie bei LED und Leuchstofflampenlicht, nur einen Ausschnitt des natürlichen Lichtspektrums, wenn auch anzuehmen ist, das dieser Ausschnitt natürlicher ausfällt als bei den Alternativen. Die Farbwiedergabe ist zwar viel besser als die von Energiesparlampen und den meisten LED Lampen, mit einem Farbwiedergabeindex(CRI) von 95 erreicht die experimentelle Lampe aber noch nicht den „Goldstandard“: Tageslicht mit einem CRI von 100 oder Halogenlicht mit einem CRI von 99.

-Die Funktionalität: Forscher räumen ein, dass ihre Arbeit nur ein experimenteller Beweis der grundsätzlichen Machbarkeit ist; bevor eine entsprechende Glühlampe produziert werden könnte, muss noch einiges an der Haltbarkeit der Filtermaterialien optimiert werden. Lebensdauer und thermische Stabilität sind noch nicht annähernd „marktreif“

-Die Technologie: Die Forscher stellen heraus, dass die benötigten Materialien sowohl gängig als auch günstig sind, und sich diese Glühlampen damit einfach im großen Maßstab herstellen lassen würden. Nanotechnologie ist allerdings nicht unumstritten. Nanopartikel können die Blut-Hirn Schranke überwinden, und weit toxischer wirken als größere Partikel der gleichen Chemikalie. Obwohl die Forschung an Nanomaterialien seit Jahren Milliarden verschlingt, konzentriert sich diese auf den lukrativen Einsatz der Technik; für die Einschätzung von Arbeitssicherheit, geeigneten Schutzmaßnahmen für Arbeiter in der Produktion und die sichere Entsorgung von Nanomüll liegen immer noch keine ausreichenden Daten vor!

Positiv ist, das man offenbar mit der „Wiederauferstehung der Glühbirne“ Schlagzeilen machen kann, ein deutliches Zeichen dafür, dass sich immer mehr Menschen dessen bewußt werden, dass die Lichtsurrogate, die uns derzeit angeboten werden, weder der Gesundheit noch dem Wohlbefinden dienen. Schade wäre es, wenn wir mit der sogenannten „Rückkehr der Glühlampe“ ein unvollständigeres Licht mit höherem Risiko bekämen.

Wir werden die Entwicklung weiter beobachten, und inzwischen die immer noch verfügbaren Halogenlampen nutzen. Den Stomverbrauch kann man ja auch senken, indem man hinter sich das Licht ausmacht…